Die Vermessung der Welt

14.03.09, 19:35:07 by NaSowas

Eigentlich sollte es am gestrigen Montag losgehen: der Start des Esa-(European Space Agency)-Satelliten Goce. Wegen technischer Probleme hat die Esa den Termin auf den heutigen Dienstag, 17.2., verschoben. Um 15.21 Uhr soll es losgehen. Die Anspannung ist riesengroß.

Mit großer Hoffnung blickt die europäische Weltraumorganisation Esa auf ihr jüngstes Baby: den Satelliten "Goce" (Gravity Field and Steady-State Ocean Circulation Explorer). In den nächsten 20 Monaten wird Goce in 270 Kilometern Höhe um die Erde kreisen und dabei deren Schwerefeld mit noch nie da gewesener Präzision vermessen. Er soll wichtige Daten liefern zu Wasserzirkulation, Meeresspiegelanstieg oder Plattentektonik.

Klappt diese Mission, wird sich, hoffen die europäischen Wissenschaftsinstitutionen und die beteiligten Industrieunternehmen, Europa an die Spitze erdwissenschaftlicher Satellitenprogramme katapultiert haben. Professor Reiner Rummel, Geodät an der Technischen Universität München und einer der Initiatoren des Projekts, berichtet im Interview mit NaSowas, dem Radio aus dem Web, unter anderem, warum nicht nur Klimaforscher, sondern auch Bauingenieure auf die Goce-Daten setzen. Reinhören.


300 Mio. EUR kostet die Goce-Mission. Der Hightech-Satellit ist fünf Meter hoch, hat einen Durchmesser von einem Meter und wiegt 1100 Kilogramm. (Foto: Esa)

Das wichtigste Messinstrument des Satelliten ist das so genannte Graviationsgradiometer, das erstmals in der Raumfahrt erprobt wird. Die Probemasse besteht aus zwei 320 Gramm schweren Platin-Rhodium-Quadern mit einer Kantenlänge von 4x4x1cm. Sie werden mit Hilfe elektrischen Felder in der Schwebe gehalten, bei einer konstanten Temperatur. Sie sind so empfindlich, dass bereits kleinere Schwankungen des Erdschwerefelds die Probemassen unterschiedlich stark beschleunigen. Diesen Effekt messen dann die Sensoren von Goce und funken die Daten an die Bodenstation im schwedischen Kiruna.

Das Gravitationsgradimeter verlangt einen sehr hohen Grad an mechanischer und thermischer Stabilität. Massenveränderungen oder -verlagerungen im Satelliten würden die Messdaten unbrauchbar machen. Kein Wunder, dass die Esa Goce als ihre "leiseste Mission" bezeichnet. Die Entwickler haben auf alle beweglichen Teile, etwa Sonnensegel, verzichtet. Wichtige Bereiche des Satelliten wurden aus Kohlestofffasern gefertigt, einem Material, das sich durch eine sehr kleinen, negativen Wärmeausdehnungskoeffizienten auszeichnet.

Weitere Informationen und Bilder zur Goce-Mission sind auf den Webseiten des Goce-Projektbüros oder der Esa zu finden.

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